Bauchtaschen

Die guten alten Bauchtaschen waren einmal so hip, dass jeder Bundesbürger mindestens eine besitzen musste. Sie erschienen als extrem praktisch, wenn man beim Fahrradfahren oder Wandern Schlüssel und Geldbeutel in sicherer Nähe haben wollte. Mit weiterem Gepäck möchte man sich beim Laufen oder Spazierengehen nicht belasten. Doch dann verlor die Bauchtasche aus unerfindlichen Gründen an Sympathien. Das bedeutet aber keineswegs, dass es heutzutage keine Bauchtaschen mehr gäbe. Es gibt nur keine Bauchtaschen-Invasion mehr. Man gibt heutzutage kein modisches Statement mehr ab, wenn man Bauchtaschen benutzt.

Die Gürteltasche macht Karriere

Die Erfindung der Bauchtaschen und ihr Boom in den frühen Neunzigern des vergangenen Jahrhunderts war eigentlich überfällig. Man konnte in der Hüfttasche das Allernötigste mitführen und hatte ansonsten freie Hand – zum Fotografieren oder Händchenhalten. Bauchtaschen waren seinerzeit nicht nur die preisgünstigsten Taschen, sondern auch die ungewöhnlichsten. Doch die Idee machte Schule. Plötzlich konnte man auch Regenjacken in ihrer eigenen Jackentasche verstauen und mit einem eingebauten Stretch-Gürtel um den Bauch schnallen. Vorn trug man seine Bauchtasche, die Regenjacke trug man als kompakte Tasche ähnlicher Größe oberhalb des Gesäßes. Heute findet so mancher, dass das alles andere als gut aussieht. Das mag wahr sein – aber einen Wanderer, der keinen Rucksack mitnehmen möchte, ficht das nicht an. Im Übrigen haben die Bauchtaschen in ihrer altbekannten Form immer noch Zulauf, ohne dass dies werbetechnisch an die große Glocke gehängt wird. Zum einen dienen solche Bauchtaschen Walkern oder Wanderern als kleine Tasche für die wichtigsten Dinge. Zum anderen finden sie sich als sogenannte „Bumbags“ auch auf den Laufstegen der Modehäuser wieder. Die modischen „Bumbags“ belegen, dass Bauchtaschen durchaus en vogue sein können. Sie haben sich anscheinend klammheimlich neu erfunden und erfreuen uns nun in zwei grundverschiedenen Varianten. Die „Bumbag“ kann aus einer Tasche und einem gleichfarbigen Ledergürtel bestehen oder über einen bereits vorhandenen Gürtel gezogen werden. Mit passendem Gürtel heißt sie auch „Belt Bag“. Als Hersteller solcher Bauchtaschen positionieren sich beispielsweise Marken wie

  • Clare V.
  • Selected
  • ASOS
  • MONKI
  • Nasty Gal
  • oder Tory Burch.

Alle anderen Bauchtaschen haben einen eher praktischen Wert. Das schließt allerdings optische Reize nicht gänzlich aus.

Viele Bezeichnungen, viele Gesichter

Bauchtaschen sind auch als Gürteltaschen, Hip Bags, Bauchbeutel, Nierentaschen, Wimmerl, Hüfttaschen, Belt Bags, Waistbags oder Bumbags bekannt. Das weist darauf hin, dass Bauchtaschen international eine Größe darstellen. Als die famosen Bauchtaschen auf dem Zenit ihres Bekanntheitsgrads angekommen waren, trugen Männer und Frauen sie gleichermaßen gerne. Auch heute noch begegnet man fotografierenden Touristen mit Bauchtaschen auf der Hüfte. Auch im Fußballstadion erweisen sich Bauchtaschen als praktisch. Trägt man sie vor dem Bauch, hat man seinen Hausschlüssel und den Geldbeutel immer im Blick. Seitlich auf der Hüfte getragen, wirken Bauchtaschen weniger stark als Bauchumfang-Vergrößerer, sondern eher verwegen. Wer eine schlanke Figur hat, trägt sie, wo es ihm passt. Doch mittlerweile hat der Rucksack neben der Schultertasche den urbanen Raum erobert. Beide machen den Bauchtaschen ernsthafte Konkurrenz. Man kann heutzutage nämlich auch ziemlich kleine Rucksäcke und „Messenger Bags“ erhalten. Diese dienen potenziell demselben Zweck wie die Hüfttasche, werden aber als modisch stimmiger angesehen. Wie wir an der „Bumbag“ gesehen haben, ist jedoch alles eine Frage von Geschmack und Prioritäten. Wer mehrere Bauchtaschen besitzt, kann sich in modischen Fragen anpassen und ist aus dem Schneider.

Auf Sylt trägt man die modische „Bumbag“ aus edlem Stoff mit Zierstickereien, in der Toskana beim Wandern eine wasserdichte Bauchtasche aus Synthetik. Wieso sollte man auch immer eine überdimensionierte Schultertasche oder einen Rucksack mitführen? Ein Rucksack hat im Sommer den Nachteil, dass der Rücken nicht belüftet und gekühlt wird. Die Schultertasche rutscht des Öfteren von den Schultern. Sie erfordert häufiges Nachrücken – es sei denn, man hat sie schräg über die linke Schulter gezogen und trägt sie nun rechts. Bauchtaschen hingegen sind und bleiben herrlich unkompliziert. Man muss sie zur Entnahme von Lippenstiften, Hausschlüsseln oder Smartphones nicht abnehmen, sondern findet alles darin Verwahrte sofort. Beim Skifahren macht die Bauchtasche sich hervorragend, weil man mehr in ihr unterbringen kann als in den Jackentaschen eng anliegender Skijacken.

Wandelbar und zuverlässig

Die modernen Bauchtaschen unterscheiden sich nicht großartig von ihren Vorgängern. Man findet diese praktische Hüfttasche in sämtlichen Farben, in verschiedenen Designs und allen möglichen Materialien angefertigt. Schlichte Bauchtaschen ohne aufgesetzte Extratasche finden sich ebenso wie solche mit aufgesetzter Minitasche und zwei seitlichen Reißverschlüssen für Kleingeld. Manche Bauchtaschen prunken sogar mit zwei verschieden großen aufgesetzten Extrataschen oder insgesamt acht integrierten oder aufgesetzten Minitaschen. Ordnung ist das halbe Leben – und solche Bauchtaschen machen es einem leicht, Ordnung zu halten. Andererseits muss man sich sehr genau merken, wo man was verstaut hat, andernfalls hat man ein Reißverschluss-Öffnungsmarathon vor sich. Urbanes Survivaltraining erlauben einem eine flache „Undercover“-Bauchtasche oder die diebstahlssichere Bauchtaschen-Version mit eingebautem RFID-Blocker. Solche Bauchtaschen sitzen sehr eng um den Körper. Man kann eine Jacke darüber ziehen, ohne dass die Bauchtasche aufträgt. Der RFID-Blocker verhindert, dass Kreditkartendaten von Unbefugten mit einem entsprechenden Gerät ausspioniert werden können. In diesen Bauchtaschen verwahrt man auf Flugreisen oder im Urlaub seine Papiere und Flugtickets auf. Wie man an diesem Beispiel ersehen kann, haben die Bauchtaschen längst erweiterte Nutzungsmöglichkeiten erhalten. Manche Bauchtaschen haben ein für andere unsichtbares „Geheimfach“ auf der Rückseite, das direkt am Bauch zu liegen kommt. Wer hier sein Geld verwahrt, verliert es nur, wenn ihm ein dreister Dieb in der Menschenmenge eines Basars die komplette Mini-Tasche von der Hüfte schneidet.

Stil-Fragen werden unterschiedlich beantwortet

Männer mit Stilbewusstsein legen meist Wert auf eine ansehnliche Leder-Bauchtasche, sofern sie Bauchtaschen überhaupt noch als männlich und tragbar empfinden. Cowboy-Typen, Camper und Motorradfahrer in Lederkluft bejahen das wahrscheinlich, Playboys und Managertypen aber eher nicht. Gegen eine kernige Bauchtasche aus Büffelleder ist aber nichts einzuwenden. Die spritzwassergeschützte Gürtel- oder Bauchtasche kommt Männern im Kajakurlaub gut zupass. Karl Lagerfeld hätte zu diesem Thema sicher eine Meinung. Da Lagerfeld aber nicht DIE allgemeingültige Instanz in Mode-Fragen ist, kreiert jeder seinen eigenen Style. Dieser vermag es, optisch passende Bauchtaschen mit dem restlichen Dress zu einem stimmigen Ganzen zu verschmelze. Niemand würde einem echten Kerl mit Outdoor-Neigungen ausgerechnet seine Bauchtasche vorwerfen.