Messenger Bag

Seit es die sogenannte „Messenger Bag“ als Kuriertasche gibt, erfreut sie sich höchster Beliebtheit in der breiten Bevölkerung. Vor allem als Fahrradfahrer schätzt man sie. Entwickelt wurde diese Taschenform in den Fünfzigerjahren in New York. Der Legende nach entwickelte eine Firma namens „Globe Canvas“ rechteckige Schultertaschen für ihre Telefon-Mechaniker. Diese transportierten darin ihre Werkzeuge. Die Tasche konnte man mitnehmen, wenn man zu einer Reparatur oder Wartung auf hohe Telefonmasten steigen mussten.

Von der Werkzeugtasche zur Kuriertasche

In den Siebzigerjahren entdeckten die New Yorker Fahrradkuriere den Nutzen solcher Taschen für sich. Da die Zustellung von Postsendungen in Stadtverkehr des „Big Apple“ mit dem Bike schneller ging, boomten Kurier-Dienste. Die Fahrrad-Boten nutzten voluminöse Messenger Bags, mit denen sie auch größere Sendungen zustellen konnten. Sie entwickelten eine eigenständige Subkultur und einen eigenen Lebensstil. Beide sprachen junge Leute an. Diese erkannten: Es gab anscheinend Alternativen zum langweiligen Bürojob oder eine Karriere als Broker an der Wall Street. In den Achtzigerjahren konnte man auch Messenger Bags von anderen Herstellern kaufen. Es entstanden vor allem kleine Taschen-Manufakturen, die mit eigenen Designs auf sich aufmerksam machten. Die verschiedenen Taschengrößen, die sich nun entwickelten, waren für den normalen Gebrauch gedacht. Die Käuferklientel hatte sich längst auf Studenten, Schüler oder Büroleute erweitert. Zu den bekanntesten Manufakturen dieser Zeit zählt das Unternehmen „Timbuk2″ mit seinen stylischen Messenger Bags. Als Modeaccessoire des Mainstreams hatte sich die praktische Messenger Bag in den verschiedensten Designs etabliert. Sie eignete sich als Laptoptasche oder konnte Studienunterlagen im DIN A 4-Format aufnehmen. Meistens wurden die Kuriertaschen aus wasserdichten Materialien gefertigt. Ihr Image einer „Working-Class“-Tasche legten sie bald ab, nicht aber ihre zweckmäßige Konstruktion. Interessant war an dieser Taschenform auch, dass sowohl weibliche als auch männliche Nutzer sie gleichermaßen schätzten. Die Messenger Bag war die erste Unisex-Schultertasche der Welt.

Innovation und Tradition gehen zusammen

Die pfiffigen Taschen-Designs von „Timbuk2″ waren es, die der einstigen Canvas-Arbeitstasche modischen Appeal verliehen. Sie wurden somit als urbanes Modeaccessoire wahrgenommen. Gegründet wurde dieses Unternehmen 1989 von einem Fahrradkurier, der eine Marktlücke erkannt hatte. Die Herausforderung für den Jungunternehmer bestand darin, einerseits stylische Designs für die Nutzung im urbanen Kontext vorzulegen, andererseits aber genug „Street Credibility“ zu behalten, damit auch Fahrradkuriere sich angesprochen fühlten. Es galt auch für andere Taschenhersteller dieser Zeit, eine modische Alternative zum Rucksack zu bieten. „Timbuk2″ war der Zeit allerdings weit voraus. Das Unternehmen bot den Käufern bereits 1994 an, ihr Taschendesign durch einen Konfigurator selbst zu definieren. Bis heute ist dieses Unternehmen trotz aller Konkurrenz führend, was Innovationen angeht. Der neueste Coup ist die Entwicklung einer Messenger Bag mit eingebauter Ladestation für Smartphones. Von der ursprünglichen Grundform hat sich die Messenger Bag nicht allzu weit entfernt, auch wenn sie gelegentlich eine etwas gerundete Form aufweist. Das Innenleben dieser Kuriertasche ist zweckmäßig, der Schultergurt längenverstellbar. Typisch ist für eine Messenger Bag die große Frontklappe, die den Tascheninhalt schützt. Die Taschenformate und die Designs gingen mit der Zeit. Heute kommt kein Taschenhersteller mehr ohne diverse Messenger Bags im Sortiment aus. Als urbanes Modeaccessoire dient die einstige Kuriertasche nicht nur praktischen Zwecken. Sie kennzeichnet heute Lifestyles.

Jedem die Seine

Der britische Ledersattel-Hersteller „Brooks“ fügte der Messenger Bag britisches Understatement und einen Patent-Schultergurt hinzu. Dieser kann durch einfaches Ziehen an den Riemen zum Hüftgurt verwandelt werden. Dieser sorgt dafür, dass die Schultertasche beim Fahren nicht seitlich wegrutschen und über die Schulter gleiten kann. Mit einer Brooks Messenger Bag ist selbst ein stilbewusster Bankmanager gut gekleidet. Unter den Fahrradkurieren haben die Messenger Bags oft Signalcharakter. Fahrradkuriere eines Kurierdienstes erkennt man an derselben Taschenart, auf der ein großer Aufdruck des Kurierdienstes prangt. In den USA kennt man größere Messenger Bags auch unter der Bezeichnung „Carryall“. Das bedeutet in etwa „nimmt alles auf“. Kleinere Messenger Bags nennt man hingegen „Sling Bags“ oder – wie bei uns – „Shoulder Bags“. Der gute alte Seesack hat sich wegen dieser Konkurrenz fast vollkommen verabschiedet, obwohl er in neuerer Zeit als Matchsack wieder eine Renaissance feiert. Dafür hat die Kuriertasche eine Weltkarriere hingelegt, von der andere Taschen nur träumen. Sie dürfte eine der meistverkauften Taschenformen überhaupt darstellen. Dazu beigetragen haben auch die attraktiven Designs und die Materialien, aus denen Messenger Bags hergestellt werden. Neben wasserfesten Nylontaschen findet man auch heute innen laminierte Canvas Bags. Angesagte Modelle neuerer Zeit werden aus LKW-Planen oder gebrauchten Segeln hergestellt. Messenger Bags aus Leder sind ebenso en vogue wie Designermodelle aus recycelten Jeansstoffen oder synthetischen Geweben wie ballistischem Nylon oder „Cordura“. Auch Material-Mixturen sind möglich, beispielsweise eine Canvas Messenger Bag mit Leder-Applikationen. Die variable Gestaltung hat dafür gesorgt, dass die Messenger Bag inzwischen in allen Bevölkerungsschichten, Altersgruppen und Berufsfeldern zu finden ist.

Quadratisch, praktisch, gut

An die Anfangstage der Messenger Bag erinnern Kuriertaschen-Nachfolger, die als Kurier-Rucksack mit Rolltop daher kommen. Sie sind durch Einrollen des oberen Randes verkleinerbar. Typische Ausstattungsmerkmale einer herkömmlichen Messenger Bag sind:

  • die große Frontklappe
  • leicht bedienbare Schnapp-Schnellverschlüsse
  • leicht verstellbare Schultergurte
  • mehrere Reißverschlusstaschen in und unter der Frontklappe
  • häufig eine abgetrennte Laptoptasche im Inneren
  • eine Geldbeutel-Tasche
  • ein oder zwei aufgesetzte bzw. integrierte Smartphone Taschen.

Edle Modelle dienen als Dokumententasche für das Büro. Die Messenger Bag macht einen lässigen und weniger spießigen Eindruck als eine konventionelle Aktentasche. Mit einer edlen Messenger Bag von Hugo Boss, Tommy Hilfiger, Strellson, Calvin Klein oder Brooks ist man auch in gehobeneren Kreisen absolut salonfähig. Edle Kuriertaschen können schon mal 400 Euro oder mehr kosten. Unter jungen Leuten schätzt man Messenger Bags, die man individualisieren kann. Freche Aufdrucke oder eigene Zeichnungen und Sprüche verkörpern den herrschenden Zeitgeist. Man kann sich mit entsprechenden Emblemen als Fan eines Fußballclubs outen oder Stilbewusstsein und Charakter zeigen, indem man herrschende Trends ignoriert. Canvas-Taschen kennzeichnen einen lässigen Stil. Manche Retromodelle erinnern an die frühen Kuriertaschen. Die Messenger Bag kann heute so viele Gesichter haben, dass jeder sich damit identifizieren kann. „Convertible Messenger Bags“ können bedarfsgerecht von der Schulter-Tragetasche zum Einkaufsbeutel verwandelt werden. Die Messenger Bag dürfte die einzige Herrentasche sein, die nicht anstößig oder lächerlich, sondern männlich wirkt. Sie kann sachlich schlicht oder phantasievoll-aufwendig designt sein.