Ledertaschen

Bereits im frühen Mittelalter gehörten Ledertaschen oder Taschen aus Stoff zur Komplettierung des Outfits dazu, wenn man das Haus verließ. Das ist auch heute noch so, auch wenn es neben Ledertaschen viele Taschenmodelle aus anderen Materialien gibt.

Vom geschnürten Beutel zur Handtasche

Bei der Auswahl der passenden Tasche stehen immer zwei Aspekte im Vordergrund: Was soll darin transportiert werden und passt sie modisch in Farbe, Form und Art zu meinem Erscheinungsbild? In Ledertaschen, einer Tasche aus Stoff oder Plastik können Schminkzeug, Taschentücher, Zigaretten, wichtige Unterlagen, das Reisegepäck oder der Einkauf auf dem Markt verstaut werden. Es gibt Taschen von riesig bis winzig: Für jeden Anlass kann die Tasche in den passenden Ausmaßen gewählt werden. Doch neben der funktionalen Aufgabe haben Taschen auch schon immer dazu gedient, ein schmückendes Beiwerk zu sein. Auf alten bildlichen Darstellungen kann man sehen, wie Männer bereits im 15. Jahrhundert Ledertaschen mit sich führen, die an ihren Gürteln befestigt waren. Frauen trugen sogar im Haus kleine Beutel, die an Lederriemen oder metallenen Ketten als Zierde und als Aufbewahrungsort für Schlüssel und Riechfläschchen an ihren Kleidern hingen. Oft waren diese Beutel, deren Öffnung mit einer Verschnürung zusammengehalten wurde, reich mit Stickereien und Perlenbesatz verziert.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Tasche endgültig zu einem wichtigen modischen Accessoire, das jeweils auf die gewählte Kleidung abgestimmt wurde. Außerdem hatten inzwischen die Fortschritte in der industriellen Metallbearbeitung dafür gesorgt, dass es nun nicht mehr nur Beutel, sondern zunehmend Ledertaschen gab, deren Form durch einen stabilen Rahmen gestaltet werden konnte. Dieser Metallrahmen wurde mit robustem Rindsleder, weichem Kalbsleder oder exotischem Krokodilleder bezogen. Ledertaschen bekamen nun ein oder zwei Henkel und gewährten erheblich mehr Möglichkeiten der modischen Gestaltung, als es die weichen, geschnürten Beutel bieten konnten. Ob robust und großräumig für den Alltag, sportlich für den Besuch auf dem Tennisplatz oder elegant und zierlich für die Abendgarderobe – die Ledertaschen wurde nun bei Damen und Herren zu echten Handtaschen.

Ledertaschen als Statussymbole

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte beschäftigten sich viele namhafte Designer mit Entwürfen für Taschen. Einige Handtaschen wurden zu echten Kultobjekten und Statussymbolen. Vor allem im 20. Jahrhundert prägten Namen wie Chanel, Hermès, Paco Rabannes oder Fendi die Taschenmode. Schöne und teure Taschen sind in der Regel aus besonders hochwertigem Leder gefertigt. Diese kultigen Ledertaschen wurden und werden sogar an die nächste Generation vererbt.

In der aktuellen Taschenmode spielen Ledertaschen immer noch eine große Rolle. Doch heute gibt es neben Leder und Stoff zahlreiche neu entwickelte Materialien, aus denen Taschen hergestellt werden. Dabei wird sich oft bemüht, die Optik von hochwertigen Ledertaschen nachzubilden. Doch echte Ledertaschen sind nach wie vor klassische und langlebige Begleiter durch den Tag. Das Material Leder fühlt sich sehr angenehm an. Außerdem ist bekannt: Auf dem Material der Taschen bildet sich im Laufe der Jahre eine Patina. Ledertaschen und andere Gebrauchsgegenstände aus Leder werden durch eine intensive Nutzung in ihrem Erscheinungsbild immer schöner und weicher.

Ledertaschen werden aus natürlichen Materialien gefertigt

Leder vom Schwein, Rind und Kalb gehören zu den häufigsten Ledersorten. Doch es gibt auch hochwertiges Leder vom Büffel, von der Ziege oder vom Schaf. Krokodilhaut wurde früher ebenfalls häufig zu Ledertaschen verarbeitet. Auch heute gibt es noch solche Krokodilledertaschen, die sehr hochpreisig sind. Wer sich für solche Ledertaschen interessiert, sollte immer darauf achten, dass die gesetzlichen Bestimmungen für die Herstellung eingehalten wurden. Reptilienleder unterliegt dem Washingtoner Artenschutzabkommen und darf nur noch unter der Einhaltung von strengen Auflagen in Form von Ledertaschen und anderen Gegenständen in den Handel gebracht werden.

Das Gerben von Leder ist ein uraltes Handwerk. In frühester Zeit der Menschheitsgeschichte wurden gerbstoffhaltige Pflanzenteile wie Blätter, Rinden und Hölzer für den Gerbprozess verwendet. Mit der Industrialisierung bekam die Gerbung mit Mineralsalzen wie Chrom- und Aluminiumsalzen eine immer größere Bedeutung. Weitere Verfahren, die heute eine Rolle spielen, sind die Gerbung mit synthetischen Gerbstoffen, aber auch noch die Fettgerbung, die auch als Sämischgerbung bezeichnet wird. Ledertaschen aus Sämischleder sind bis heute sehr beliebt.

Die heutigen Taschen bestehen meist aus Ledersorten, die einen synthetischen Prozess der Gerbung, eine Chromgerbung oder eine Pflanzengerbung hinter sich haben. Das Gerben von Leder ist notwendig, um das organische Material zu konservieren. Erst nach diesem aufwendigen Prozess kann es zu Ledertaschen, Schuhen, Gürtel und anderen Gegenständen weiterverarbeitet werden.

Durch die modernen Verarbeitungsprozesse entstehen neben den originalen Lederhäuten auch Spaltleder und Ledersorten, die eine Prägung erhalten. So können Ledertaschen mit einer Krokodiloptik aus geprägtem Rindsleder bestehen. Die Lederhaut von Rindern kann bis zu zehn Millimeter dick sein. Die Rinderhäute werden deshalb in mehrere Schichten aufgespalten. Während die oberste Lederschicht die originale Ledernarbung besitzt, sind die darunterliegenden Schichten auf beiden Seiten gleichmäßig rau. Diese unteren Schichten werden als Spaltleder bezeichnet. Spaltleder wird häufig verwendet, um bei Schuhen oder Lederbekleidung einen „Wildledereffekt“ mit seiner rauen Oberfläche zu erzielen. Echtes Wildleder liefern jedoch nur wild lebende Tiere wie beispielsweise Hirsche. Die Oberfläche von Ledertaschen aus Hirschleder muss nicht zwangsläufig rau sein. Auch aus der obersten Schicht der narbigen Lederhaut des Hirsches können Taschen aus Wildleder gefertigt werden.

Besonders weiches Leder mit der ursprünglichen Narbung wird als Nappaleder bezeichnet. Nappaleder hat eine gute Qualität. Allerdings muss man beim Einkauf von Ledertaschen genau hinschauen: Neben der ursprünglichen Außenhaut wird auch nachträglich „geprägtes Nappaleder“ für Ledertaschen und Lederkleidung verarbeitet.

Die Pflege von Ledertaschen

Wer eine Auswahl an hochwertigen Ledertaschen besitzt, möchte natürlich lange Freude daran haben. Echtes Leder verschleißt nicht so schnell, wenn es entsprechend gepflegt wird. Außerdem sorgt die Anwendung von Lederpflegemitteln dafür, dass das Material von Ledertaschen und anderen Gegenständen aus Leder vor schädlichen Umwelteinflüssen geschützt wird.

Bei der Pflege von Taschen sollten zunächst grobe Verschmutzungen vorsichtig abgewischt werden. Dafür dürfen niemals kratzende Materialien benutzt werden. Viele Ledertaschen haben eine Glanzoptik, die nicht beschädigt werden darf. Doch generell nehmen es Lederoberflächen übel, wenn die Oberflächen durch grobes Putzen verletzt werden. Ledertaschen werden durch das Einreiben mit speziellem Lederfett geschützt, gepflegt und damit geschmeidig gehalten. Nach dem Auftragen von Lederfett sollten die Ledertaschen zunächst nicht weiter bearbeitet werden, damit das Lederfett einziehen kann. Anschließend werden die Lederteile mit weichen Tüchern abgerieben und bei Glanzleder spiegelblank poliert. Bei besonders hartnäckigen Verschmutzungen wie beispielsweise Tintenflecken oder Strichen von Kugelschreibern an wertvollen Ledertaschen sollte man besser den Rat eines Lederexperten einholen.